Lüften bei Regen: sinnvoll oder Fehler?

Es regnet in Strömen – und trotzdem soll man lüften? Was sich zunächst widersinnig anhört, ist bauphysikalisch meist die richtige Entscheidung. Denn entscheidend ist nicht, wie feucht die Luft draußen relativ ist, sondern wie viel Wasser sie absolut enthält.
Relative vs. absolute Luftfeuchtigkeit: der entscheidende Unterschied
Bei Regen zeigt das Hygrometer draußen oft 90 bis 100 % relative Luftfeuchtigkeit an. Das klingt nach viel – doch die relative Feuchte sagt nur aus, wie viel Wasserdampf die Luft im Verhältnis zu ihrem Maximum enthält. Und dieses Maximum hängt stark von der Temperatur ab: Kalte Luft kann physikalisch nur wenig Wasser aufnehmen. Ein Rechenbeispiel: Regenluft mit 10 °C und 95 % relativer Feuchte enthält rund 8,9 g Wasser pro Kubikmeter. Ihre Raumluft mit 21 °C und 60 % relativer Feuchte enthält dagegen etwa 11 g/m³. Die "nasse" Regenluft ist absolut betrachtet also trockener als Ihre Wohnzimmerluft. Erwärmt sie sich nach dem Stoßlüften im Raum, sinkt ihre relative Feuchte rapide – und sie kann neue Feuchtigkeit aus Wänden, Möbeln und Textilien aufnehmen.
German Lüften ohne Nachdenken? Der KLIMAGRIFF® sagt Ihnen direkt am Fenster, wann gelüftet werden muss.
Wann Lüften bei Regen sinnvoll ist – und wann nicht
Im Herbst und Winter ist die Regel einfach: Solange es draußen deutlich kälter ist als drinnen, lohnt sich das German Lüften fast immer – auch bei Dauerregen. Das kurze Stoßlüften von 5 bis 10 Minuten transportiert die feuchte Raumluft nach draußen, ohne dass nennenswert Regenfeuchte eindringt. Achten Sie lediglich darauf, dass kein Schlagregen direkt durch das offene Fenster schlägt. Anders sieht es an schwülwarmen Sommertagen aus: Ist es draußen wärmer und gleichzeitig feucht – etwa bei Sommergewittern mit 25 °C und hoher Luftfeuchte – bringt die Außenluft mehr Wasser mit, als sie abtransportiert. Dann gilt: Fenster zu und auf die kühlen Morgen- oder Nachtstunden ausweichen. Genau diese Abwägung nimmt Ihnen unser Taupunkt- und Lüftungsrechner ab – oder der KLIMAGRIFF® direkt am Fenster.
Praxistipps für das German Lüften bei Regenwetter
Lüften Sie kurz und kräftig statt lang und zaghaft: Fenster ganz öffnen, idealerweise mit Durchzug, nach maximal zehn Minuten wieder schließen. Drehen Sie die Heizkörper währenddessen herunter und danach wieder auf – so bleibt die Wandtemperatur stabil und die frische Luft erwärmt sich schnell. Kontrollieren Sie das Ergebnis mit einem Hygrometer oder dem KLIMAGRIFF®: Nach dem Lüften sollte die relative Feuchte im Raum spürbar sinken, im Winter idealerweise auf 40 bis 55 %. Steigt sie binnen kurzer Zeit wieder stark an, produziert der Haushalt viel Feuchtigkeit – dann sind zusätzliche Lüftungsintervalle nötig.
Fazit
Regen ist kein Grund, auf das German Lüften zu verzichten – im Gegenteil: Kühle Regenluft ist meist trockener als Ihre Raumluft. Wer unsicher ist, lässt rechnen statt raten: mit unserem Lüftungsrechner oder dem KLIMAGRIFF®, der den perfekten Lüftungsmoment direkt am Fenstergriff anzeigt.



